Der Eichenprozessionsspinner ist eine Nachtschmetterlingsart, um die es seit eingen Jahren einen regelrechten "HYPE" gibt. Vor Jahren war es der Fuchsbandwurm, wegen dem man nicht mehr in den Wald gehen sollte. Jetzt dieser kleine Schmetterling. Die HNA berichtete auf mehreren Seiten über diese Art und ihre Ausbreitung auf einem Autobahnrastplatz bei Guxhagen. Auch der BUND KV wurde befragt. Hier kann man unsere Stellungnahme lesen. Den HNA-Artikel habe ich ganz unten verlinkt.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist diese Schmetterlingsart in Deutschland nachgewiesen. Ihre Verbreitungsschwerpunkte sind Baden-Würtemberg und Bayern, sowie Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Ihre Raupen bilden ab dem 3. Entwicklungsstadium Brennhaare aus, die hohl sind und ein Nesselgift (Thaumetopoein - ein Protein) enthalten. Dieses kann beim Kontakt mit Menschen Hautausschläge (Dermatitis) verursachen. In sehr seltenen Fällen können auch Reizungen der Augen oder der Bronchien auftreten. Von daher kann vom Eichenprozessionsspinner temporär eine gesundheitliche Gefahr, insbesondere im Umfeld von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen, ausgehen, die eine Bekämpfung rechtfertigen.
Nach unseren Informationen (Auskunft von Hautkliniken) sind schwerwiegende Hautirritationen sehr selten. In der Regel sehen die Folgen bei Kontakt mit den Brennhaaren der Raupe aus wie die Quaddeln bei Berühren von Brennesseln. Für die von den Raupen befallenen Bäume sind die Schäden nicht bedrohlich. In der Regel sind Bekämpfungsmaßnahmen völlig unwirtschaftlich.
Die Ausbreitung des Prozessionsspinners hat sicher mit der langjährigen Temperaturerhöhung (Klimawandel) zu tun. Dadurch wird auch das Klima in Nordhessen kontinentaler und daher besser geeignet für diese Art. Das Massenvorkommen hat aber auch wesentlich mit dem massiven Rückgang (siehe Gartenvögelzählung des NABU in 2025) der Prädatoren (der die Raupen/Schmetterlinge fressenden Vögel und Federmäuse) zu tun. So vertilgen z.B. Meisen mit Vorliebe Mengen dieser Raupen.
Natürlich muss eine Stadtverwaltung auf ein Massenvorkommen in sensitiven Gebieten adäquat reagieren. Im Wald dagegen kann man auf die Gefahr hinweisen oder bestimmte Gebiete sperren.
In geschlossenen Ortschaften/Städten kann man mechanisch arbeiten (Absaugen) Das Abflämmen hat leider zur Folge, dass die Haare der Raupen durch die Luft gewirbelt werden und zum Teil noch größere Schaden entsteht.
Der Einsatz von Bioziden sollte dabei aber auf begründete Ausnahmefälle beschränkt bleiben. Was nach Ansicht des BUND gar nicht sein darf, ist, das Mittel präventiv, d.h. ohne Nachweis, dass überhaupt ein Befall vorliegt, einzusetzen. Das mag zwar unterm Strich preiswerter und bequemer sein, ist aber aus der Perspektive des Naturschutzes angesichts des Insektensterbens fatal.
Der Einsatz von Bioziden ist immer mit weiteren Umweltschäden verbunden. Das gilt auch für NeemProtect mit dem Wirkstoff Margosa-Extrakt des indischen Neem-Baums. Es hat laut Umweltbundesamt eine hohe aquatische Toxizität und wirkt auch auf alle anderen Insektenarten. Es besteht auch das Risiko indirekter Wirkungen v.a. für insektenfressende Vogel- und Fledermausarten. Auch das Versprühen von Bacillus thuringensis (wird oft im BIO-Landbau verwendet) ist nicht ohne schädliche Wirkungen. BT ist nicht spezifisch und tötet auch viele andere Arten. Am besten geignet sind neu auf dfen Markt gekommenen Nematodenpräparate. Sie werden von den Raupen aufgenommen und wirken sehr spezifisch.
Prinzipiell gilt für alle Präparate: Die für die Ausbringung eingesetzten Verfahren, wie das Sprühen mit Bodenkanonen, sind vergleichsweise unpräzise und die Ausbringgenauigkeit ist zusätzlich von einer Vielzahl äußerer Faktoren wie Winddrift abhängig. Die eingesetzten Stoffe gelangen somit nicht nur auf die befallenen Eichen, sondern auch auf angrenzende Flächen, die eigentlich nicht behandelt werden sollten. Das Umweltbundesamt konstatiert deshalb, dass die Ausbringung von Biozidprodukten im Freiland damit zu einem zum Teil erheblichen Eingriff in den Naturhaushalt führen kann, verbunden mit dem Risiko unannehmbarer Auswirkungen auf die Umwelt, ohne dabei für den Gesundheitsschutz von ausreichendem Nutzen zu sein.
Zuerst sollte aber immer versucht werden, ohne Umwelt-Gifte klar zu kommen. Bei einem geringen Befall sollten daher zunächst mechanische Bekämpfungsmaßnahmen - zum Beispiel das Absaugen, oder Absammeln von Raupen und Gespinsten oder temporäre Sperrungen von betroffenen Gebieten in Betracht gezogen werden.
Warum nicht die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners zur Hilfe nehmen? Blau- und Kohlmeisen sowie Rotkehlchen (und viele andere Vogelarten) haben die giftigen Raupen auf ihrem Speisezettel. Durch mehr Nistkästen für diese Vogelarten könnte der Bestand vergrößert und damit die Population der Eichenprozessionsspinner verkleinert werden. Auch durch Nisthilfen für Wildbienen könnten Schlupfwespen angesiedelt werden, die natürliche Feinde der Eichenprozessionsspinner sind. Durch diese kostengünstigen, ökologischen und ungefährlichen Maßnahmen könnte, anstatt Angst vor dem Eichenprozessionsspinner zu verbreiten, zudem das Naturverständnis gefördert werden.
Insbesondere in den sensiblen Bereichen (vor Kindergärten, Schulen, in Stadtparks) sollten viele Nistkästen hängen. Sie zeigen, dass die Gemeinde nach dem Vorsorgeprinzip handelt. Das ist auch kostengünstiger als den Kammerjäger zu bestellen.