BUND Kreisverband Schwalm-Eder
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Gewerbegebiet Bischhausen

08. März 2023 | Landwirtschaft

Widerstand gegen Lidl-Vorhaben im Schwalmtal

 

Sie sind gegen Flächenversiegelung

Bürgertreff: Landwirtinnen informierten zum Gewerbegebiet bei Bischhausen

Die Landwirtinnen Ann-Kathrin Reiße  und Lydia Körber stehen vor dem geplanten Interkommunalen Gewerbegebiet an der Autobahn 49.

Bischhausen – „Wir sind für den Erhalt unserer Ackerböden und nicht grundsätzlich gegen ein Gewerbegebiet“, sagt Lydia Körber. Es geht um das Interkommunale Industriegebiet an der Autobahn 49 bei Bischhausen. Körber und Ann-Kathrin Reiße aus Bischhausen wollen die negative Seite eines Gewerbegebietes darstellen, und da steht die Flächenversiegelung für sie an erster Stelle. „Wir als Junglandwirtinnen sind grundsätzlich gegen eine Bodenversiegelung“, betont Reiße.

Um ihre Sicht den Neuentalern offen zu legen, haben die beiden ein Bürgertreffen im Dorfgemeinschaftshaus in Bischhausen veranstaltet. „Es kamen über 100 Neuentaler aus allen Ortsteilen und nicht nur Landwirte“, sagt Körber, die überwältigt vom großen Interesse war. Die beiden hätten viel Zuspruch bekommen. „Es ging uns nicht nur um unsere Sichtweise, wir wollten generell auf das Thema aufmerksam machen und dafür sensibilisieren“, erklärt Reiße. Denn viele würden nur die positiven Aspekte des Gewerbegebietes wie die Gewerbesteuereinnahmen und die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen sehen.

Mit dem Thema haben sie sich auseinandergesetzt, als Neuentals Bürgermeister Dr. Philipp Rottwilm (SPD) auf die Landwirte zugegangen sei wegen des Flächenverkaufs für das Gewerbegebiet, erzählt Reiße. Sie hat ebenfalls eine Fläche an der A 49. „Doch in dem Bereich liegt bestes Ackerland mit bis zu 80 Bodenpunkten“, sagt sie. Die Bodenpunkte messen die Qualität der Ackerfläche. „In Zimmersrode hingegen liegt der Durchschnitt bei unter 30 Bodenpunkten“, erläutert Lydia Körber.

Den Landwirtinnen beiden sei es wichtig, aktiv gegen den Flächenfraß vorzugehen, weswegen sie sich für das Bürgertreffen entschieden haben. „Wir können etwas gegen die Flächenversiegelung tun, da sie vor unserer eigenen Haustür vorgenommen werden soll“, sagt Reiße.

Doch nicht nur als Landwirtinnen werfen sie einen geschärften Blick auf das geplante Gewerbegebiet, sondern auch als Anwohnerinnen. „Der Verkehr wird automatisch mehr. Wenn es dann zu Unfällen auf der Autobahn kommt und der Verkehr umgeleitet wird, haben zum Beispiel Lkw-Fahrer gar keine andere Möglichkeit, als durch unser Dorf zu fahren“, sagt Körber.

Von welcher Größe man bei dem geplanten Gewerbegebiet spreche, wissen die beiden nicht genau. „Es wurde mal von 40 Hektar gesprochen und dann wieder von 17“, sagt Körber. Welche Unternehmen sich dort ansiedeln werden, sei ebenfalls offen. „Ein Logistik- und Verteilerzentrum von Lidl wurde in den Raum gestellt, aber dafür werden allein 40 Hektar Fläche benötigt, also stimmt etwas mit den Angaben nicht“, erklären die beiden 25-Jährigen. Doch ob nun 17 oder 40 Hektar Fläche, „beides ist einfach zu viel.“

Sie sind froh, dass sie diesen Schritt gegangen sind. Claus Otto aus Mühlhausen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war ebenfalls bei dem Bürgertreff.

„Wenn dann noch mehr Menschen hinter uns stehen, wollen wir eine Bürgerinitiative gründen, damit erreichen wir einfach mehr Menschen“, sagt Körber.

Aber zunächst wollen sie die Informationsveranstaltung der Gemeinde Neuental am Donnerstag, 16. März, abwarten, wo ab 19 Uhr im Bürgerhaus Zimmersrode unter anderem übers Gewerbegebiet informiert werden soll.

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